Sonntag, 1. August 2010

Mitgliederversammlung mit Vorstandswahlen

Im Mai fand die diesjährige Mitgliederversammlung statt, bei der Vorstandwswahlen anstanden. Ortwin Pohlai übernahm das Amt des Kassierers von Patrick Andrecht. Erste Vorsitzende Dr. Friederike Fuhlrott, stellv. Vorsitzender Thomas Ludwig und Schriftführerin Anja Möller wurden in ihren Ämtern bestätigt. Für das laufende Vereinsjahr wurde eine Veranstaltung im Winter eingeplant und weitere Aktionen zur Spendenakquise.

Die Vorsitzende, Dr. Fuhlrott, konnte in ihrer Rückschau auf ein erfolgreiches Vereinsjahr 2009/10 blicken. Der finanzielle Grundstock für die regelmäßigen Überweisungen von je 110,00 EUR an die beiden Stipendiatinnen in Togo konnte ausgebaut werden. Nicht zuletzt aufgrund großzügiger Spenden einer breiten Unterstützergruppe und einer Spende von 1.320,00 EUR des Lions Club Bad Wildungen-Fritzlar, ist die Finanzierung bis einschließlich 2011 gesichert.

Hawahs Bericht vom März 2010

Ich bin Hawah Hazemdji-Nimtche. Ich bin am 03. November 1988 in Kpalimé geboren (Anmerkung: ca. 120 km nördlich von Lomé, der Hauptstadt Togos), ich bin die älteste in einer monogamen Familie mit drei Kindern. Mein kleiner Bruder Arafat ist in der 13. Klasse, meine kleine Schwester Farida ist in der 8. Klasse, ich selbst bin im 3. Universitätsjahr im Fach „Medizinische Analyse und Biologie“ an der Universität von Lomé. Papa hat ein kleines Haus in Kpalimé gebaut, in dem wir mit drei anderen Kindern von Verwandten leben. Togo ist ein kleines Land in Schwarzafrika mit einer Fläche von 56.790 km2 und einer Einwohnerzahl von ca. 7 Mio. Das Land ist in 5 Regionen unterteilt: Maritime, Plateaux, Centrale, Kara, und Savanes. Es finden sich dort eine Menge unterschiedlicher Sprachen: Kotokoli, Ewe, Kabye, Moba, Lamba und viele andere. Die finanziellen Bedingungen, um in Togo Bildung zu erhalten, sind unterschiedlich, abhängig vom Niveau. Die Grund- und Oberstufe ist im Vergleich zur Universität viel günstiger. An der Universität zu studieren, wird immer teurer. Die Zahl der Studierenden erhöht sich ständig, und so kann der Staat nicht allen Studierenden eine finanzielle Unterstützung zukommen lassen. Diese Unterstützung besteht aus vier Tranchen à 20.000 FCFA pro Jahr (Anmerkung: ca. 30 €), was bei Weitem nicht ausreicht, um seinen Unterhalt zu bestreiten, v.a. weil das Leben in Lomé sehr teuer geworden ist. Die wenigen Stipendien aus dem Ausland werden nach verdeckten Kriterien vergeben, so dass meistens nicht die, die sie verdient hätten sie auch bekommen. Togoische Studierende sind mit verschiedenen Problemen konfrontiert:

Der Mangel an Lehrkräften: Die Lehrkräfte werden von überall angefragt, sie sind oft vom Unterricht entbunden, vielfältige Beschäftigungen bringen ihnen mehr Geld ein, als an der Universität ordentlich zu unterrichten.

Die Infrastruktur ist baufällig und wird nicht renoviert. Bei uns im Fach AMB haben wir nicht ausreichend Material, die praktischen Übungen bleiben zwangsweise theoretisch.

Die Studierenden sind auch einem Platzproblem ausgesetzt. Die meisten müssen im Stehen den Kursen folgen. Aber in unserem Fach gibt es dieses Problem nicht.

Nach meinem Abitur 2005 habe ich mich dafür entschieden, mich um einen Pharmazeutik-Studienplatz zu bewerben. Ich wusste, dass diese Plätze schwer zu bekommen sind, aber da ich mich dafür interessierte, in einem Labor zur Herstellung und Erforschung von Medikamenten für Kranke zu arbeiten, habe ich es doch versucht. Das hat mich motiviert. Leider entwickelten sich die Dinge nicht so, wie ich gehofft hatte und ich bekam keinen Studienplatz in diesem Fach. Dann habe ich mich an der „Technischen Hochschule für Biologie und Lebensmittel“, die sich innerhalb der Universität von Lomé befindet, erfolgreich beworben. Hier gibt es drei Optionen: Medizinische Analyse und Biologie (AMB), industrielle Lebensmittelherstellung (IA) und Wasser- und Umweltverwaltung (GEE). Ich habe AMB gewählt, da dies meiner ursprünglichen Motivation, im Labor zu arbeiten, am nächsten kommt. Was das Leben in Lomé betrifft, ist es nicht immer die Art wie man leben möchte, weil die Lebensumstände nicht einfach sind, aber daran kann man nichts ändern.

In meinem Studiengang sind wir in diesem Jahr 55, davon 13 Frauen. Wir haben das Problem, dass wir nicht ausreichend Materialen für Versuche haben. Am Ende vom 2., 3. und 4. Studienjahr machen wir Praktika in Krankenhäusern. Diese sind nicht bezahlt und verursachen große Kosten für uns, v.a. was den Transport betrifft. Diese Praktika sind nicht ausreichend, da wir uns an der Universität nicht praktisch vorbereiten können. Jede Ferien kümmere ich mich persönlich um weitere Praktika im Krankenhaus von Kpalimé, um mich weiterzubilden. Die Fächer, die wir studieren sind: Hämatologie, Bakteriologie, Biochemie, Immunologie, Serologie, Parasitologie, Semiologie, Toxikologie (allgemein und genetisch), Molekularbiologie, Mykologie (allgemein und medizinisch), Virologie, Englisch, Informatik, Versicherungswesen, wissenschaftliches Arbeiten und praktische Anwendung. Diese Kurse sind auf die zwei Semester in Jahr aufgeteilt. Wenn alles gut läuft, bin ich im nächsten Jahr fertig mit den Kursen. Dann muss ich nur noch meine Abschlussarbeit schreiben, mit der ich dann, denke ich, im darauffolgenden Jahr, also 2012, fertig sein werden. Da ich noch jung bin, möchte ich anschließend gerne einen Doktor in Biologie absolvieren. Das Problem ist, dass dies in Togo nicht möglich ist, und ich frage mich, wie ich die Möglichkeit bekommen könnte, im Ausland weiter zu studieren. Schon mein Studium in Togo ist nur durch die Unterstützung vom Verein Studitogo möglich, der mir alle 6 Monate ein Stipendium zukommen lässt. Ich hätte in unserer finanziellen Situation wirklich nicht studieren können. Das ist die Gelegenheit, um mich bei Thomas und Friederike und allen Mitgliedern und Förderern des Vereins zu bedanken, die sich bemühen, um mir mein Studium zu ermöglichen: Vielen Dank an Sie alle! In meinem Fachbereich hat man nicht viel freie Zeit. Die freie Zeit sind die Pausen und der Feierabend, wir haben nur sonntags frei. Das ist der Tag, um sauber zu machen, die Kleidung zu waschen und um zu lernen. Während der Ferien mache ich Praktika, oder ich lerne Autofahren. Das 2. Semester hat am 08. März begonnen, der Stundenplan ist wie immer überladen, aber wir geben unser Bestes. Wir haben uns seit dem 1. Jahr an diesen Rhythmus gewöhnt. Seit dem letzten Jahr wohne ich nicht mehr auf dem Campus. Ich habe dort in der Nähe ein Zimmer gemietet. Das Leben alleine, weit weg von den Eltern, ist nicht immer einfach, aber von Zeit zu Zeit kommen meine Eltern mich besuchen. Den Laptop (Anmerkung: Spende von Studitogo) musste ich reparieren lassen, was etwas teuer war, aber jetzt funktioniert er sehr gut. Ich wünsche Ihnen allen gute Gesundheit und für den Verein Studitogo ein langes Leben. Vielen Dank für die Zusammenarbeit.

Mireilles Bericht vom März 2010

Ich heiße Douti-Gbabgue, P. Y. Mireille. Ich bin 19 Jahre alt und Studentin im 6. Semester der Licence (Anmerkung: erstes Diplom des Studiums nach französischem System) an der Universität von Lomé im Fach Angewandte Psychologie mit dem Schwerpunkt Gesundheit am Nationalen Institut der Erziehungswissenschaften (INSE). Dieses Jahr ist das System LMD (Anmerkung: neues System welches das Studium umstrukturiert) eingeführt worden und die Anpassung vollzieht sich eher schlecht als recht, es gibt viele Unannehmlichkeiten, v. a. für uns Studierende, weil die Umstellung auf das neue System viel mehr Anstrengung verlangt als das vorherige. Wir hoffen, dass es sich mit der Zeit einspielen wird. Mein Land ist Togo, ein kleines Land von 56.790 km2, dessen Hauptstadt Lomé ist, wo ich wohne. Togo hat nur drei große Universitäten, die in Lomé, eine in Kara (Anmerkung: im Norden des Landes) und die Katholische Universität, die erst neu gegründet wurde. Es ist sehr schwierig, in Togo zu studieren, weil es nicht viele Berufsmöglichkeiten gibt, zu wenige Professoren und v. a. gibt es immer Probleme mit Unterrichtsräumen. Es gibt nicht genug Räume für alle Studierenden und mit der Umstellung auf das LMD System wird alles noch komplizierter. Die meisten Studierenden sind bereits um 3 Uhr morgens am Campus und hoffen einen Platz in einem Kurs zu bekommen, der um 7.30 Uhr beginnt. Ich bereite mich sehr intensiv auf die Licence vor, weil ich im nächsten Jahr einen Master im mit dem Schwerpunkt Gesundheit machen möchte. Ich möchte mich auf Psychologie des Kindes spezialisieren, wobei das keine fest institutionalisierte Spezialisierung hier an der Universität ist. In der Tat ist die Angewandte Psychologie ein junges Fach hier am Campus und z.B. einen Doktor in Psychologie des Kindes kann man noch nicht absolvieren. Ich interessiere mich sehr für Kinder und die Idee dieser Spezialisierung gefällt mir gut. Außerdem erteile ich Kindern in der Kirche Religionsunterricht und ich helfe Kindern in der Grundschule. Das neue System an der Universität lässt mir allerdings nicht viel freie Zeit. Ich habe Kurse von Montag bis Samstag und ich habe 15 verschiedene Fächer in diesem Semester. Es macht mir viel Spaß, sonntags zwei Stunden mit den Kindern zu verbringen. Ich lese sehr gerne und verbringe viel Zeit in der Bibliothek des Französischen Kulturzentrums und in der der Universität. Ich bin auch aktiv im Club der Studierenden der Psychologie an der Universität und dort für den Bereich „Informationen“ verantwortlich, um unser Fach in Togo bekannter zu machen. Ab dem 22. März haben wir eine kulturelle Woche, bei der wir aktiv sind. Während der vergangenen Ferien habe ich ein Praktikum gemacht, um die Auswahl meines Schwerpunkts zutreffen. Dieses Jahr haben wir vorgesehene Praktika für die Ferien, wir werden einige praktische Kurse am Krankenhaus haben mit den verantwortlichen Professoren der unterschiedlichen medizinischen Schwerpunkte.

Aufgrund der Distanz zwischen meinem Elternhaus und der Universität und aufgrund des schwierigen Transports, wohne ich auf dem Campus, in einem Wohnheim für Studentinnen. Aber ich fahre jedes Wochenende nach Hause, um mit meiner Familie zu sein. Mein Vater ist Sportlehrer und meine Mutter Hausfrau. Ich habe eine Schwester, Victorine, die in der Oberstufe ist und einen Bruder, Gottfried, der in der Mittelstufe ist. Die Hilfe, die mir der Verein Studitogo zukommen lässt, ist eine Rettung für mich und für meine Familie. Es haben sich dadurch meine Lebensbedingungen verbessert, und ich kann mich auf mein Studium konzentrieren, was ich wirklich sehr ernst nehme. Zu studieren war immer schon mein Traum und der Verein gibt mir die Möglichkeit, ihn zu verwirklichen, wofür ich sehr dankbar bin. Ich nutze diese Gelegenheit und bedanke mich bei allen, die mir über den Verein ihre Hilfe zukommen lassen.